Familienforschung
Gottsleben — Gayes — Engelbarts


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Pädagogen mit Namen Gottsleben in Hamburg
 

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Carl F. Gottsleben (1873-nach 1949)

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Erwin Gottsleben (1901-1982)

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Charlotte Gottsleben (1908-1986)

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Michèle Gottsleben (1949-)

Carl F. Gottsleben (geb. 1873 - gest. nach 1949)

Carl F. Gottsleben (geb. 30. Juni 1873) nahm nach Besuch des Lehrerseminars im hessischen Homberg am 17. April 1893 seine Lehrertätigkeit in Hamburg auf. Am 1. April 1898 wurde er in den hamburgischen Volksschuldienst übernommen und ein Jahr später fest angestellt. Nach dem Ersten Weltkrieg unterrichtete Carl Gottsleben bis 1925 an der Schule Eppendorfer Landstraße 17, danach ab Schuljahr 1925/26 an der Hilfsschule Opitzstraße und ab Schuljahr 1929/30 bis zu seinem Ruhestand am 1. Juli 1931 an der Hilfsschule Ausschläger Elbdeich 3. Carl Gottsleben ließ sich - beeindruckt durch Vorführungen rhythmischer Gymnastik auf dem Hamburger Kunsterziehungstag 1905 - von dem Schweizer Emile Jaques-Dalcroze (1865-1950) in musikalisch-rhythmischer Gymnastik ausbilden, wirkte als Rhythmiklehrer in Laienkreisen und am Brahmskonservatorium und engagierte sich stark für die Aufnahme der rhythmischen Erziehung in den Hamburger Lehrplan. Im Jahre 1911 begann Gottsleben erfolgreich mit den Werbungen für die Gründung einer öffentlichen Musikalien-Ausleihe in Hamburg. Die Musikbibliothek wurde dann 1915 als eigenständige Einrichtung unter dem Namen Öffentliche Musikalien-Ausleihe (musikalische Volksbibliothek) gegründet und 1940 unter dem Namen Musikbücherei, später Musikbibliothek in das System der Bücherhallen Hamburg integriert. Carl Gottsleben wohnte in Hamburg 19, Lastropsweg 30 I, dann Rellinger Str. 116 und ab 1939 in Immenbeck bei Buxtehude.
     
In einem Brief an William Lottig schildert Carl Gottsleben seine Begeisterung für die Rhythmische Gymnastik nach Dalcroze und sein Mitwirken beim Versuch, die Rhythmische Gymnastik in Hamburgs Schulen einzuführen.

Brief von Carl Gottsleben an William Lottig

In der Hamburger Lehrerzeitung vom August 1949 berichtet William Lottig in einem Beitrag »Neue Wege - alte Wege« über den Besuch einer Hamburger Abordnung von Schulsynode und Oberschulbehörde in der Bildungsanstalt Hellerau bei Dresden vor 1914. Die Reformpädagogen wollten die Einrichtung von Versuchsschulen in Hamburg durch das Studium neuer Schulformen vorantreiben und in unserem Fall die in Hamburg durch die Initiativen von Carl Gottsleben vorgestellte und in Dresden-Hellerau seit 1910 erstmalig praktizierte Rhythmische Gymnastik an Ort und Stelle näher kennen lernen. In dem nachfolgenden Brief an William Lottig schildert Carl Gottsleben die näheren Umstände, die nach 1905 dazu geführt haben, die Rhythmische Gymnastik nach Dalcroze und später nach dem Hellerauer Vorbild an Hamburgs Schulen einzuführen.

Carl Gottsleben, Krankenhaus Ebenezer, (24a) Hamburg, den 14.9.1949
An Herrn W. Lottig zum Beitrag
»Neue Wege - alte Wege« in der »Hamburger Lehrerzeitung«, August 1949

Sehr geehrter Herr Lottig!

Wenn, wie ich, ein 76jähriger, über 1/2 Jahr im Krankenhaus liegt
(eitrige Rippenfellentzündung) hat er nur noch Interesse an seinen
Leiden. Ausnahme: Wenn die Hamb. Lehrerzeitung kommt. Eine Freude!
Sofort wird sie durchstudiert. Noch größer ist die Freude, wenn
man darin ein Lebenszeichen Lottigs, des alten Bannerträgers der
Gesellschaft [
der Freunde des Vaterländischen Schul- und Erziehungswesens]
n
ach der Zeitwende findet. Und nochmals gesteigert
wurde meine Freude, als ich aus Ihrem Bericht sah, daß die Arbeit,
die ich als mein Lebensziel gewählt hatte, jetzt endlich die ge-
wünschte Anerkennung findet, wenn auch nicht auf der ganzen Linie;
die rhythmische Gymnastik. Sie geben Beispiele: Die Kinder auf dem
Rasen des Einbecker Jugendheimes, den Barsbütteler Kursus. Sie
erwähnen Ihren Besuch mit Fricke in Hellerau. Darf ich fragen:
"Wie hat sich dieser Besuch im Hamb. Schulwesen ausgewirkt?" -
Darf ich nun einige Ergänzungen bringen. Ich bitte Sie, diese
nicht als Ausdruck verletzten Ehrgeizes zu betrachten (sie sind
deshalb nur für Sie persönlich und nicht zur Veröffentlichung
bestimmt), sie sollen nur zur Wahrheitsfindung dienen. -
Auf dem Hamb. Kunsterziehungstag 1905 wurde rhythmische Gymnastik vor-
geführt. Ich wurde gepackt, ich erkannte sofort die große Bedeu-
tung des Dargebotenen. Mir war klar: Das ist meine Lebensaufgabe.
Ich setzte mich sofort mit Dalcroze in Genf in Verbindung, stu-
dierte seine Werke und ließ mich ausbilden. Ich veröffentlichte
einen Aufsatz in der "Päd. Reform" der als Leitartikel erschien. Ich
kämpfte im Lehrerrat (Gegner Jöde) und in verschiedenen Ausschüssen
für die rhythm. Gymnastik. So auch im pädagogischen Ausschuß.
Vergebens! Den stärksten Widerstand fand ich im Musikausschuß, des-
sen Mitglied ich war, durch - [Schulinspektor Heinrich] Fricke! Aber immer wieder kam ich
mit Anträgen, bis Fricke einmal sagte, er wäre froh, wenn er end-
lich mal von der Sache nichts mehr hören würde. - An einer Stelle
fand ich Verständnis, bei einem Nichtlehrer: Senator v. Barenberg-
Goßler. Er schickte mich auf eine Woche nach Basel zum Hospitieren
in der Baseler städtischen Höheren Töchterschule, in der auf dem
Kindergarten aufbauend, in weiter Differenzierung, hauswirtschaft-
liche Züge, Klassen für die Vorbereitung zum akademischen Studium
usw. sich anschlossen. Dort war die rh. G. von einem der engsten
Mitarbeiter von Dalcroze, Paul Böpple eingeführt und mit den größten
Erfolgen durchgeführt.

         In Hamburg wirkte ich dann in Laienkreisen
(u. a. in Vereinigungen der SPD) und erwarb Erfolge, Anerkennung
und Dankbarkeit. Math. Meyer unterstützte mich bei Versuchen,
die Wirkung der rhythm. Gymnastik auf Hilfsschüler (I) zu studieren
die ich in Verbindung mit Neumann und dem psychologischen Laborato-
rium (Phil. Seminar) unternahm. Das Brahmskonservatorium beauftragte
mich mit dem rhythm. Unterricht bei Schülern des Konservatoriums.
1913 wurde ich von Dalcroze, der inzwischen nach Hellerau übergesiedelt
war, und Dr. Dohrn zum Besuch der Festspiele in Hellerau eingeladen.
ich berichtete darüber in einem Aufsatz in der "Pädagogischen Reform“
und begeisterte damit Wilh. Paulsen zu hellen Flammen, wie auch
Dalcroze mir mehrfach seine Anerkennung für meine Aufsätze und Ar-
beiten in Zeitschriften ausgesprochen hat -. Im weiteren Verlauf
der Zeit gelang es mir, die Hellerauerschule zu 2 Vorführungen
in Hamburg zu veranlassen, und mit einigen Mitarbeitern zur Durch-
führung zu bringen: eine für die Lehrerschaft, eine zweite für die
Öffentlichkeit. Wilh. Paulsen faßte unter dem Eindruck dieser Vor-
führung den Entschluß, seine Schwägerin in Hellerau ausbilden zu
lassen. Und nun endlich erkannte auch Heinr. Fricke die Bedeutung
der rh. G. und fuhr mit ihnen nach Hellerau. Nach seiner Rückkehr
war ich in einer anderen Angelegenheit in seinem Arbeitszimmer.
Nach der amtlichen Unterredung ergriff er spontan meine Hand und
sagte: "Herr G., ich muß Ihnen herzlich danken dafür, daß ich
durch Sie nach Hellerau gekommen bin. Es war das größte künstlerische
Ereignis meines Lebens. Ich habe mich dort in eine Ecke gestellt
und habe Tränen vergossen" … Als im 1. Weltkriege von den Deutschen
die Kathedrale von Reims beschossen wurde, weil angeblich der Turm
als Französischer Beobachtungsposten benutzt wurde, veröffentlichten
namhafte Personen in den Feindländern einen flammenden Protest gegen
die Beschießung. Er trug auch die Unterschrift von Dalcroze, der
bei Kriegsbeginn zufällig in Frankreich weilte. Nun entstand in
Deutschland eine Hetze gegen D. nicht nur gegen seine Unterschrift,
nein, vor allen Dingen gegen seine künstlerische Arbeit. Man über-
goß ihn mit Spott und Hohn, nannte ihn "Hoplamännchen", seine "Hosi-
annarufer" verwandelten sich in "Kreuzigeschreier" (z.B. die Zeit-
schrift "Jugend" und der bisherige Verfechter von D., der bekannte
Dresdner Kunstkritiker Schumann). Gegen diesen Rummel wandte sich
eine von etwa 12 Personen unterzeichnete, in ganz Deutschland ver-
breitete Erklärung, und auch ich wurde zur Unterschrift aufgefordert.
Zu meinem Erstaunen sah ich kleines Menschlein meinen Namen zwischen
denen von Prominenten. –

Aus der Zeit zwischen den Weltkriegen kann
ich erwähnen, daß ich im Seminar für rh. G. in Godesberg zu einer
Prüfungskommission zugezogen wurde, zu der auch Elfriede Feudel
gehörte. (Kennen Sie ihr ausgezeichnetes Buch?) --
Zum Schluß bitte ich Sie nochmals, mich nicht als beleidigte "Leber-
wurscht" anzusehen, sondern die Angelegenheit so zu betrachten, wie
sie gemeint ist.
Ihnen persönlich, als einem von mir stets hochgeschätzten Führer in
der "Gesellschaft" wünsche ich weiterhin körperliche und geistige
Frische und grüße Sie

gez. Ihr alter Carl Gottsleben.

In den alten Hamburger Lehrerverzeichnissen finden wir neben Carl F. Gottsleben noch den Gymnasiallehrer Erwin R. O. Gottsleben und die Volksschullehrerin Charlotte Gottsleben.

Erwin R. O. Gottsleben (geb. 1901; gest. 1982)

Erwin R. O. Gottsleben (geb. 20. Mai 1901, gest. 1982) begann im Schuljahr 1929/30 als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Höheren Staatsschule Cuxhaven seine Laufbahn im hamburgischen Schuldienst. 1930/31 wurde er nach Hamburg an die Klosterschule Holzdamm versetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterrichtete Erwin Gottsleben an der Oberschule für Jungen in St. Georg, Bülaustraße, und ab Schuljahr 1955/56 bis zu seiner Pensionierung am 1872 gegründeten Matthias-Claudius-Gymnasium in Hamburg-Wandsbek. Im Mai 1966 Ernennung zum Oberstudienrat. Erwin Gottsleben wohnte in Hamburg-Blankenese, Witts Allee 23, danach in Wedel, zuerst Rosenstraße 23, später Mollers Park 8.
Quelle: Hamburger Lehrerverzeichnisse 1922/23 bis 1938/39 und 1953/54 bis 1962/63.
Erwin Gottsleben
gehörte zur Gründergeneration des Nationalsozialistischen Lehrerbundes in Hamburg und war bis 1933 NSDAP-Ortsgruppenleiter. Vgl. Uwe Schmidt: Lehrer im Gleichschritt. Der Nationalsozialistische Lehrerbund Hamburg. Hamburg: Hamburg Univ. Pr., 2006, S. 16 u. 59 ff. − Barbara Brix: "Land, mein Land, wie leb' ich tief aus dir": Dr. Walter Bacher - Jude, Sozialdemokrat, Lehrer an der Klosterschule / [Hrsg. vom Gymnasium Klosterschule, Hamburg]. Hamburg: Dölling u. Galitz, 1997. S. 17: »1929 war Erwin Gottsleben an die Schule gekommen. Auch er trug zu dem Stimmungsumschwung bei: Groß, schlang, blauäugig, sportlich und SA-Mann. (Die Angabe über die Dauer seiner Parteizugehörigkeit wurde später aus seiner Personalakte herausgeschnitten.) Er war der Prototyp der neuen Zeit, und viele Herzen, auch solche, die vorher Dr. Bacher gehört hatten, flogen nun ihm zu.«
Elena Makarova, Sergei Makarov u. Victor Kuperman: University over the abyss : the story behind 520 lecturers and 2430 lectures in KZ Theresienstadt 1942 - 1944 / 2. ed., corr. and expanded with the aid of feedback from survivors. Jerusalem: Verba Publ., 2004, S. 347.
     
Zur nationalsozialistischen Schulpolitik in Hamburg vgl. Uwe Schmidt: Hamburger Schulen im "Dritten Reich" / hrsg. von Rainer Hering. Hambur: Hamburg Univ. Pr., 2010. 2 Bde (Beiträge zur Geschichte Hamburgs ; 64).

Charlotte Gottsleben (geb. 1908; gest. 1986)

Charlotte Gottsleben (geb. Kröger; * 13. Oktober 1908, † 04. April 1986 in Hamburg) unterrichtete im Schuljahr 1953/54 an der Schule Waitzstraße 31 (Grundschule und Praktische Oberschule) und wechselte zum Schuljahr 1955/56 nach Othmarschen an die Schule Klein Flottbeker Weg 64 (Grundschule und Praktische Oberschule). Charlotte Gottsleben wohnte in Hamburg-Nienstedten, Nienstedter Marktsplatz 23.
Quelle: Hamburger Lehrerverzeichnisse 1922/23 bis 1938/39 und 1953/54 bis 1962/63.

Traueranzeige im
Hamburger Abendblatt
vom 9. April 1986

Mögliche Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Carl, Erwin und Charlotte Gottsleben müssen noch erkundet werden.

Michèle Gottsleben (geb. 1949, née Gayes)

Nach Studium in Montpellier und an der Universität Hamburg unterrichtete die Studienrätin Michèle Gottsleben (née Gayes, geb. 19. November 1949) von 1977 bis zu ihrer Pensionierung 2010 Deutsch und Französisch in Hamburg, zuerst am Gymnasium Heegen (HH-Rahlstedt), danach am Gymnasium Farmsen.

Stand: September 2012
Klaus Gottsleben
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